Sonntag, 16. Dezember 2012

Tango im Supermarkt

Letzte Nacht war ich im Rewe, um große Mengen Spaghetti, Tomatenmark und dergleichen für M.s Geburtstag einzukaufen.

Als ich gerade meinen Armvoll Kram in einem Einkaufswagen platziert hatte, kommt ein Mann im Obdachlosenlook (und -geruch) auf mich zu. Musik tönt aus dem Marktlautsprecher.
Er wankt auf mich zu, legt einen Arm um mich, seinen Kopf an meine Schulter.
Aus irgend einem Grund lasse ich ihn gewähren. Bin gespannt, was er vorhat.
"Ein Tänzchen?" sagt er und fängt an, sich im Takt zu wiegen, reißt mich dabei mit.


Er dreht mir sein Gesicht zu, seine Augen leuchten. "Und das mit diesen Schuhen" sagt er, nach unten deutend. Er trägt eine Art selbstgebauter Flip-Flops aus Pappkarton und blauer Wolle. Beeindruckt nicke ich ihm zu.
Er sei in China verheiratet, erzählt er mir. Habe eine Tochter  und freue sich schon auf den Rückflug.

Dann niest es neben mir im Bett. Ich werd nie rausfinden, warum er grad mit mir tanzen wollte.
Aber die Schuhe waren toll.

Samstag, 8. Dezember 2012

Bisschen ruhig hier.

Das kann sich theoretisch schnell wieder ändern, ist aber unwahrscheinlich, da

1. ein Familienmitglied mit einer ziemlich dramatischen Geschichte im KH liegt,
2. ich damit beschäftigt bin, meinem Femoralisnerv das Nerven wieder abzugewöhnen
3. der Liebste ab morgen Urlaub hat
4. zur Zeit alles ein bisschen drunter und drüber geht, auch wegen 1.

Ich hab mir jedenfalls vorgenommen, diesen Winter trotz allem viel draußen zu sein und gestern schon mal damit angefangen, dass ich zur Zahnreinigung gelaufen bin statt das Auto zu nehmen. Was ich keine Sekunde bereut habe. Es ist grad unglaublich wunderschön draußen.


Freitag, 7. Dezember 2012

Grade entdeckt, dass ich das hier noch gar nicht veröffentlicht habe... dabei ist das schon so alt :)

Die herzlose Speisemöhre

Es trafen sich Forscher in Bielefeld.

Man sagte, sie wollten das viele Geld,

das ihnen die Leute von Bonduelle

versprachen, erforschten sie Möhren schnell.



Die Forscher erforschten den Samen

von Möhren verschiedenster Namen;

Wurzel und Grün, Wuchs und Verzehr,

für alles mussten Statistiken her.



Man schnitt und kaute,

roch und schaute,

fühlte und kochte,

bis keiner mehr Möhren sehen mochte.



An einem von vielen folgenden Tagen

begannen die Möhren, sich zu beklagen.

Sie sagten, der Schmerz, den sie fühlten beim Schneiden,

ginge ans Herz und sie müssten sehr leiden.



Den Forschern ging das Möhrengeseier

nach kürzester Zeit schon sehr auf die Eier.

Sie drohten den depressiven Karotten

damit, sie gnadenlos zu verspotten.



Die Möhren aber klagten weiter

bis schließlich der Forschungsabteilungsleiter

beschloss, er habe genug von den Mätzchen.

Er hielt mit seinen Kollegen ein Schwätzchen.



"Liebe Kollegen, wir müssen was ändern.

Ich stelle fest, dass wir an den Rändern

der Möhren tun können, was wir wollen.

Nur wenn es ans Herz geht, werden sie grollen.



Wir müssen, wollen wir noch recherchieren

von unseren Möhren das Herz subtrahieren."

Sie beschlossen zu rechnen und Gene zu sichten

und langsam begann sich das Chaos zu lichten.



Nach vielen arbeitsreichen Tagen

und etlichen geklärten Fragen

zog einer von ihnen ganz aufgedreht

das neue Gemüse aus dem Beet.



Sie sezierten die Möhre mit einem Messer

und was sie sahen, gefiel ihnen besser

als alles andere je zuvor:

Daucus carota sine cor!



Sie feierten ihren großen Sieg,

doch bald schon begann der Nervenkrieg:

Biss einer in ein Möhrenstück,

so biss die Möhre einfach zurück.



So fanden die Forscher mit wundem Gesicht:

Möhren verändern lohne sich nicht.

Seit gestern erforschen die Schurken

nun wasserfreie Gurken.

vom 13. Juni 2010

(Entstanden, nachdem ich ein Tütchen Möhrensamen mit der Aufschrift "lange gelbe herzlose" (oder so ähnlich) erstanden hatte.)

Montag, 3. Dezember 2012

Dies ist ein Plagiatsquark aus Thailand.

Sowas ist ja dank -> Katz und Goldt schon im allgemeinen Bewusstsein.

Trotzdem war ich ein bisschen schockiert, als ich heute morgen feststellte, dass Thailand auch Rewe-Produkte zu plagiieren und dann wieder in den Rewe-Warenfluss zu bringen scheint. 


(Es könnte sich natürlich auch um einen besonders schweren Fall von Deppenleerzeichen handeln)
(Oder es ist als Aufforderung gemeint. "Speise Quark!" - dann hätte ich aber gern ein Ausrufezeichen am Schluss. Oder wenigstens einen Punkt. Sonst wirkt das irgendwas zwischen lustos und ätherisch hingehaucht.)

Als ich vorhin in Schwiegermutters Küche stand, fiel mir auf, dass es nicht nur den Quark betrifft.


"Brauner Rohr" soll sich da in der Packung befinden. Brauner Rohr! Ich wette, sie wollte eigentlich Zucker kaufen... Die Thailänder, die machen einfach alles kaputt.

Damals, als es um das fehlende H ging, habe ich noch voll jugendlichem Idealismus eine Mail an -> Rexona geschickt. Mit der Frage, ob das ein spezielles Legasthenikerdeo sei.

Nein, antworteten die, vom Design her sei das ohne H besser. Na dann! Wen juckt da die zwangsläufig folgende Rechtschreibverblödung. Hauptsache, es sieht gut aus! Hauptsache, die Leute riechen gut!

Manchmal möchte man den ganzen Tag den Kopf gegen die Wand  schlagen. 
Jedenfalls vermute ich, dass die fehlenden Bindestriche auf den Rewe-Packungen auch einem Designer geschuldet sind, weswegen eine Mail praktisch ins Leere liefe. Man weiß es ja! Man will nur nicht.

(Und wenn du jetzt sagst: Ätschibätsch, du machst aber auch ständig Rechtschreib- und Grammatikfehler! dann sag ich dir: Das kann schon sein, aber meine sind kostenlos.)


Sonntag, 2. Dezember 2012

TeVau

Soeben zufällig entdeckt: Heute abend kommt auf Tele5 eine Verfilmung eines meiner Lieblingsbücher (aus einer Reihe von Madeleine L'Engle). 20.15 Uhr. Leider ist der Titel ein anderer als der Buchtitel, weswegen ich es fast nicht gemerkt hätte ("Die Zeitfalte" heißt das Buch, der Film hingegen "Gefangene der Zeit").

Bleibt zu hoffen, dass der Film genauso toll ist wie das Buch.
Wir verzichten jedenfalls gerne auf den heutigen Tatort (nix für ungut, Frau Thomalla) und gucken stattdessen mal, ob das was ist.

ETA: Ach du meine Güte. Das haben wir nicht lange durchgehalten. Furchtbar.

Ich find es faszinierend, wie zum einen mit Sicherheit Autor und Leser (und zwar jeder einzelne Leser) immer andere Bilder im Kopf haben bei demselben Text. Zum anderen frage ich mich, ob so ein Buch verfilmt tatsächlich irgendwie dem entspricht, was der Autor mal im Kopf hatte beim Schreiben. Es war jedenfalls gruselig. Ich hätte es vorher wissen müssen.